Löffelaufgabe. Aber mit Nudeltellern

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Die ein oder andere Person hat vielleicht schon mal was von der Löffeltheorie gehört. Falls nicht: Das ist nicht schlimm. Die Löffeltheorie ist ein relativ einfaches Modell um den (veränderten) Energiehaushalt chronisch kranker oder neurodivergenter Menschen zu veranschaulichen. Die Idee ist so simpel wie genial: Jeder Mensch hat täglich ein gewisses Maß an Energie zur Verfügung. Was bei den Einen das Glas mit den grünen Kügelchen ist, ist bei Anderen eine bestimmte Anzahl von Löffeln.

Die Löffel werden verbraucht für: Arbeit, Schule, Care-Arbeit, Beziehungspflege, Hobbies, Körperhygiene, Wohnungshygiene und noch vieles mehr. Ein Beispiel: Du stehst morgens auf und hast 10 Löffel Energie zur Verfügung. Einen Löffel brauchst du für die Körperhygiene, vier Löffel für die Arbeit, drei für die Carearbeit, zwei für die Beziehungspflege, einen fürs Hobby und dann hast du bereits einen Löffel zu viel verbraucht. Aber die Wohnung noch nicht geputzt und du warst auch nicht beim Arzt oder hast irgendwas anderes gemacht. Der Theorie folgend starten Menschen ohne chronische Erkrankungen oder Neurodivergenz entweder mit mehr Löffeln in den Tag (also evtl. 15 statt nur 10) oder sie starten ebenfalls mit zehn Löffeln, verbrauchen dann aber weniger für ihre einzelnen Aktivitäten des täglichen Lebens. Und ja. Das ist unfair. Aber es ist nunmal so. Wir können ja nur mit dem Arbeiten was wir haben!

In der Therapie habe ich mal eine Aufgabe bekommen, die an diese Löffeltheorie angelehnt ist. Da mir persönlich die Idee mit den Löffeln als Energieanzeige aber irgendwie zu abstrakt ist, habe ich mich für Nudelteller entschieden. Zum einen sind Nudeln mein Safe-Food (sprich: die gehen eigentlich immer) und zum anderen machen Nudeln auch satt und geben mir Energie. Das passt für mich besser zum Thema Energie als Löffel. Was war also meine Aufgabe?

Die Idee ist, dass es verschiedene Energie-Level gibt: von einem Nudelteller (also extrem wenig Energie) bis hin zu zehn Nudeltellern (Maximum an Energie). Für jedes Energielevel (1-10 Nudelteller) gilt es 5 Dinge heraus zu finden:

  1. Körper: Was nehme ich im Köper wahr. Schmerzen? Hitze? Kälte? Anspannung? ….
  2. Gedanken: Gibt es einen Gedanken, der vielleicht sehr präsent ist?
  3. Emotionen: Welche Gefühle nehme ich bei mir wahr?
  4. Brauchen: Was brauche ich bei diesem Energie-Level? Kann ich selbst dafür sorgen oder brauche ich Unterstützung?
  5. Möglich: Was ist möglich bei diesem Energie-Level? Was geht (noch)?

Es ergibt durchaus Sinn, sich nicht nur theoretische Gedanken zu den Fragen zu machen, sondern wirklich damit zu arbeiten und die Antworten für sich aufzuschreiben. Wenn du magst, kannst du meine Vorlage benutzen.

Diese Aufgabe ist (vemutlich) nicht in einer halben Stunde erledigt. Nimm dir Zeit dafür und vielleicht dauert es auch ein paar Wochen, bis tatsächlich für jede Anzahl Nudelteller alle 5 Fragen beantwortet sind. Es ist überhaupt nicht schlimm, wenn es ein wenig länger dauert. Ich habe die Vorlage primär für mich selbst ausgefüllt um mich selbst besser kennen zu lernen und besser einschätzen zu können (und vielleicht auch irgendwann ein bisschen milder zu mir zu sein). Die ausgefüllte Vorlage ist aber gegebenenfalls auch für die primäre Bezugsperson (z. B. Partner:in) ein wertvolles Hilfsmittel, wenn man zum Beispiel einfach sagen kann: „Ich habe heute nur 2 Nudelteller“ und die Partner:in dann auf den Zettel schauen kann um zu gucken: Okay… was geht denn heute bei 2 Nudeltellern und was braucht meine Beziehungsperson evtl. von mir?

Wenn du auf den Button hier klickst, kannst du dir die Vorlage als PDF runterladen. Viel Spaß damit

Kommentare

  1. Ich stelle mir schon seit Längerem einen Akku vor, der in meinem Fall eine geringe Kapazität hat, und deshalb schon nach dem Frühstück nur noch halb voll ist. Nach Feierabend ist er dann meistens ganz leer und ich verbringe den Rest des Tages damit, ihn wieder – für den nächsten Tag – aufzuladen.
    Diese Vorstellung wurde auch durch die Lektüre des Buchs „Die Macht der Disziplin“ bestätigt: Unsere kognitive Energie/Willensstärke ist begrenzt, bei einigen stärker als bei Anderen. Das führt dazu, dass ich mir pro Tag nicht mehr als eine Sache vornehme, damit ich dafür meine ganze (Rest)Energie aufbringen kann.
    Das könnte ich vermutlich auch in Löffel „umrechnen“, aber ich sehe darin keinen Nutzen für mich. Ich muss halt genau wie beim Smartphone immer wieder abschätzen, ob meine Energie noch für den Rest des Tages ausreichen wird. Irgendwann muss ich dann in den „Akkusparmodus“ umschalten.

    1. Gute Idee mit dem Akku! Das find ich auch sehr eingängig 🙂

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